Wie schreibt man ein Testament?

Formen letzwilliger Verfügungen: Testament & Erbvertrag

Was muss ich wählen? Erbvertrag oder Testament?
Die Formen letztwilliger Verfügungen sind in Art. 498 ff. des ZGB festgehalten.

Für die Regelung Ihres Nachlasses stehen Ihnen verschiedene Formen der letztwilligen Verfügung offen: das eigenhändige Testament, das öffentliche Testament, das Nottestament sowie der Erbvertrag. Letzterer unterscheidet sich in der fehlenden einseitigen Widerrufbarkeit, das heisst Sie können die im Erbvertrag vereinbarten Anordnungen über Ihren Nachlass ohne Zustimmung der anderen Vertragsparteien nicht abändern bzw. widerrufen.

Diese Testamentvarianten gibt es

  • Eigenhändiges Testament

    Die einfachste und häufigste Form der letztwilligen Verfügung. Muss komplett von Hand geschrieben, datiert und unterschrieben werden. Muss im Titel klar als Testament bezeichnet werden. Sie sollten das Testament sicherheitshalber hinterlegen und in Kopie dem Willensvollstrecker aushändigen.

  • Öffentliches Testament

    Erfordert die Beurkundung durch einen Notar unter Anwesenheit von zwei Zeugen. Diese bestätigen Ihre Urteilsfähigkeit. Empfiehlt sich, wenn man einer Anfechtung des Testaments zuvorkommen will. Wird durch Notar aufbewahrt, jedoch empfiehlt sich eine Hinterlegung wie beim eigenhändigen Testament.

  • Erbvertrag

    Damit legen Sie gegenüber Ihren Vertragspartnern fest, wie Ihr Nachlass aufgeteilt werden soll. Muss öffentlich beurkundet werden. Empfiehlt sich v.a. dort, wo frühzeitig Rechtssicherheit geschaffen werden soll. Der Vertrag kann nicht ohne Einverständnis der Vertragspartner angepasst werden. Eine Hinterlegung empfiehlt sich.

  • Nottestament

    Bei ausserordentlichen Umständen wie nahender Todesgefahr können Sie Ihren letzten Willen mündlich zwei anwesenden Zeugen mitteilen. Diese haben ihn dann bei der zuständigen Gerichtsbehörde nach Niederschrift einzureichen oder zu Protokoll zu geben. In der Praxis spielt diese Form der letztwilligen Verfügung eine untergeordnete Rolle.

Gut zu wissen

Fragen, die sich Testamentsverfasser stellen sollten:

  • Welche Zielvorstellung will ich verwirklichen?
  • Habe ich schon früher Testamente verfasst und stehen diese allenfalls im Widerspruch zu meinen aktuellen Vorstellungen?
  • Geht mein Wille klar und unmissverständlich aus dem Text hervor? 
  • Verletzt meine Verfügung Pflichtteile? 
  • Könnten nach meinem Tod Meinungsverschiedenheiten entstehen und wie lassen sich diese vermeiden?
  • Erfüllt mein Testament die formellen Gültigkeitsvoraussetzungen?
  • Soll eine Fachperson das Testament überprüfen?
  • Welche Anordnungen für den Todesfall muss ich ausserhalb des Testaments treffen (Beerdigung Auflösung des Haushalts, etc.)?

Gesetzliche Erbfolge, Pflichtteile und freie Quote

Gesetzliche Erbfolge

In Art. 457 ff. des ZGB ist die gesetzliche Erbfolge aufgeführt, die zur Anwendung kommt, wenn Sie keine letztwillige Verfügung (Testament oder Erbvertrag) getroffen haben. Den gesetzlichen Erben steht eine bestimmte Erbquote am Nachlass zu.

Erbberechtigt sind in erster Linie Ihre Nachkommen sowie Ihr Ehepartner / Ihre Ehepartnerin (eingetragene Partner sind Ehegatten gleichgestellt). Bei Fehlen von Nachkommen wird Ihr elterlicher Stamm, bei dessen Fehlen Ihr grosselterlicher Stamm (mit Einschränkungen) erbberechtigt.

Existieren keine gesetzlichen Erben, so fällt Ihr Nachlass an das Gemeinwesen (grundsätzlich Kanton oder letzte Wohnsitz-Gemeinde).

Pflichtteilsgeschützte Erben und freie Quote

Das Gesetz sieht in Art. 470 ff. des ZGB sogenannte Pflichtteile für gewisse Erben vor. Wenn Sie die gesetzliche Erbfolge durch eine letztwillige Verfügung abändern wollen, dürfen Sie diese Pflichtteile nicht verletzen. Andernfalls kann ein pflichtteilsgeschützter Erbe gegen die Verletzung klagen.

Pflichtteilsgeschützt sind Ihr Ehegatte bzw. Ihre Ehegattin und Ihre Nachkommen. Ebenso Ihre Eltern, sofern keine Nachkommen vorhanden sind. Geschwister sind hingegen nicht pflichtteilsgeschützt.

Der neben den Pflichtteilen verbleibende Anteil an Ihrem Nachlass ist die freie Quote. Über diese können Sie mit Ihrer letztwilligen Verfügung frei entscheiden.

Hilfe beim Ermitteln der freien Quote

Die Errechnung der freien Quote kann je nach Lebenssituation der Betroffenen Person und der Familienkonstellation kompliziert werden. 

Die Vereinigung myHappyEnd hat dazu einen praktischen Testament-Checker eingerichtet, den wir Ihnen gern empfehlen.

Ihr letzter Wille - in zwei Beispielen

Die nachfolgenden Vorlagen dienen als Hilfestellung zur Errichtung eines Testaments. Damit das von Ihnen erstellte Testament die Formvorschriften erfüllt und gültig ist, müssen Sie wahlweise entweder

  • die Vorlagen auf Ihre Bedürfnisse anpassen bzw. ergänzen und sie persönlich von Hand (eigenhändig) niederschreiben, datieren und unterzeichnen; das Testament muss vollständig eigenhändig niedergeschrieben sein (wie ein eigenhändiger Vorsorgeauftrag);

oder

  • die Vorlagen mit den von Ihnen gewünschten Angaben anpassen bzw. ergänzen und öffentlich beurkunden lassen.

 

Abgeschlossene Erbverträge können Sie nicht einseitig aufheben, nur eigene Testamente. Das Originaltestament sollten Sie sicherheitshalber bei Ihrer Wohngemeinde hinterlegen, damit dieses im Falle Ihres Versterbens auffindbar ist. Kopien sollten in Ihren Schriften und bei einem allfälligen Willensvollstrecker abgelegt sein.

Variante 1: Ohne pflichtteilsgeschützte Erben

Testament

Ich, Hans Mustermann, geb. 1.1.1920 mit Heimatort Lauenen BE, wohnhaft am Musterweg 3, 1234 Mustern, verfüge hiermit letztwillig wie folgt:

Alle meine vorangehenden letztwilligen Verfügungen hebe ich hiermit auf.

Ich stelle fest, dass ich keine pflichtteilsgeschützten Erben habe. Mein früherer Ehegatte ist verstorben und die Ehe kinderlos geblieben. Meine Eltern sind ebenfalls bereits verstorben. Sämtliche gesetzlichen Erben schliesse ich von der Erbberechtigung an meinem Nachlass aus.

Als Alleinerbin setze ich folgende Person ein: _______

(bei natürlichen Personen: Vorname, Name, Geburtsdatum, Heimatort, Wohnadresse. Bei Institutionen: Name, Sitz, Adresse)

Im Falle von deren Vorversterben setze ich folgende Person als Alleinerbin ein: ________

(bei natürlichen Personen: Vorname, Name, Geburtsdatum, Heimatort, Wohnadresse. Bei Institutionen: Name, Sitz, Adresse)

Zulasten der Erbschaft sind folgende Vermächtnisse auszurichten:

  • CHF __________ zu Gunsten von folgender Person: 

    (bei natürlichen Personen: Vorname, Name, Geburtsdatum, Heimatort, Wohnadresse. Bei Institutionen: Name, Sitz, Adresse)

  • CHF __________ zu Gunsten von folgender Person: 
    (bei natürlichen Personen: Vorname, Name, Geburtsdatum, Heimatort, Wohnadresse. Bei Institutionen: Name, Sitz, Adresse

  • (etc.)

Mustern, 1.1.1999

xxx Unterschrift

 

Variante 2: Mit pflichtteilsgeschützten Erben:

Testament

Ich, Hans Mustermann, geb. 1.1.1920 mit Heimatort Lauenen BE, wohnhaft am Musterweg 3, 1234 Mustern, verfüge hiermit letztwillig wie folgt:

Alle meine vorangehenden letztwilligen Verfügungen hebe ich hiermit auf.

Ich stelle fest, dass ich verheiratet bin und zwei erwachsene Kinder aus dieser Ehe habe.

Für den Fall, dass ich vor meinem Ehegatten versterbe, setze ich unsere beiden Kinder auf den Pflichtteil und wende die frei verfügbare Quote meinem Ehegatten zusätzlich zu dessen gesetzlichem Erbanteil zu.

Für den Fall, dass ich nach meinem Ehegatten versterbe, sollen unsere beiden Kinder alleinige Erben sein.

In beiden Fällen sind folgende Vermächtnisse zu Lasten der Erbschaft auszurichten:

  • CHF _______ zu Gunsten von folgender Person: 
    (bei natürlichen Personen: Vorname, Name, Geburtsdatum, Heimatort, Wohnadresse. Bei Institutionen: Name, Sitz, Adresse)
  • CHF _______ zu Gunsten von folgender Person: 
    ​(bei natürlichen Personen: Vorname, Name, Geburtsdatum, Heimatort, Wohnadresse. Bei Institutionen: Name, Sitz, Adresse)
  • (etc.)

 

Mustern, 1.1.1999

xxx Unterschrift