«Musik, mein Ein und Alles»

Eduard war Berufsmusiker aus Leidenschaft. Bis die Nachricht eines Unfalls sein Leben erschütterte. «Sie kamen in Särgen zurück», flüstert Eduard mit zitternder Stimme. «Bei einem Autounfall in Italien sind zwei meiner Musikerkollegen aus unserem Quartett tödlich verunfallt.» Damals war der Musiker 58 Jahre alt. Nach diesem Schicksalsschlag hat er keinen Anschluss mehr gefunden, in einer Musikgruppe schon gar nicht. Erfolglos versuchte Eduard, wieder im Berufs­leben Fuss zu fassen. Doch er war unvermittelbar, wie er sagt: «Ich habe nie etwas anderes gemacht als Musik.» 40 Jahre lang hatte er von der Musik gelebt. Das war auch für seine Frau nicht immer einfach gewesen.

Auf sich allein gestellt

30 Jahre war er mit seiner Frau verheiratet. Sie wohnten zusammen in einem schönen Haus. Doch Eduard war kaum da. Als seine Frau dann schwer erkrankte, stand die Beziehung vor dem Aus. Von der Krankheit geschwächt, konnte sie das hektische und rastlose Leben von Eduard nicht länger ertra­gen. «Sie wollte endlich etwas zur Ruhe kommen», sagt Eduard. Traurig senkt er seinen Blick. «Wir haben uns im Frieden getrennt, doch ich vermis­se sie sehr.» Auf sich allein gestellt, konnte Eduard sich nur schwer im Alltag zurechtfinden. Nie hatte er gelernt, wie man einen eigenen Haushalt führt. Ohne Arbeit landete er beim Sozialdienst und schliesslich bei der Heilsarmee. «Ich fuhr mit dem Rollstuhl hier ein. Ich war psychisch am Ende», erinnert sich der 66-Jährige.

Endlich wieder gebraucht

Im Wohnheim für Männer in Basel findet er nun einen neuen Lebenssinn. Eduard ist glück­lich, wieder einen geregelten Tagesablauf zu haben. Im Wohnheim findet er sich gut zurecht und merkt, dass man seine Hilfe schätzt. «Ich bin anpassungsfähig. Als Erstes habe ich angefangen, hier die Tische zu putzen.» Seit vielen Jahren bekam er erstmals wieder ein Lob für seinen Einsatz. «Bei der Heilsarmee war ich endlich wieder zu etwas zu gebrau­chen», erzählt der Musiker dankbar. «Hier hört man mir aufrichtig zu und erkennt meine Talente.»

Musizieren bei der Heilsarmee

Seit Eduard im Wohnheim ein neues Zuhause gefunden hat, musiziert er wieder. An ver­schiedenen Anlässen des Wohnheims ist er bereits aufgetreten. «Ich habe sogar ein Lied für die Heilsarmee geschrieben», berichtet Eduard voller Stolz. Gerne gibt er sein Musikwis­sen an die anderen Bewohner weiter und freut sich, wenn er mit ihnen ihre Lieblingslieder einstudieren kann. Mit der Musik hat er seine Lebensfreude zurückgewonnen.

Noch nicht #StandByMe-​ Mitglied?

Hat dir dieser Artikel gefallen? Möchtest du mehr über Einsamkeit erfahren oder vielleicht sogar unser jüngstes Spendengprogramm #StandByMe unterstützen? Dann schau auf unserer #StandByMe-Website rein. Dort erhältst du sämtliche Informationen wie du gemeinsam mit uns Einsamkeit lindern kannst.