Franz K. im Atelier mit Pinsel

StandByMe-Story: «Ich habe die Freude am Handwerk wiedergefunden».

Franz (72) lebte nach der Pension mit seiner Frau den langjährigen gemeinsamen Traum – Reisen auf vier Rädern! Doch das Glück verliess sie unerwar­tet. Er musste von seiner geliebten Frau und somit auch vom gemeinsamen Traum Abschied nehmen.

Nach der Pension gaben Franz und seine Frau Vreni ihre Wohnung auf. Zum Lebensabend machten sie es sich im selbstgebauten Wohnwagen gemütlich. Das ‹Wägeli› wurde ihr Daheim. Das ungebundene Leben auf Reisen war schon immer ihr Traum gewesen. Mit ihrem Zuhause auf Rä­dern reisten sie quer durch Europa und überwinterten jeweils in Spanien.

Reise mit fatalen Folgen

Auf einer Reise nach Deutschland steckte sich seine Frau mit Bakterien an und wurde krank. Erst dachten sie sich nichts dabei. So eine Grippe kann jeden einmal treffen. Vreni klagte jedoch über starke Schmerzen und musste sich dauernd übergeben. Der Arzt verschrieb ihr die üblichen Medikamente. Wie immer fuhren sie im Winter nach Spanien und hofften, dass sich Vreni erholen würde. Seine Frau war jedoch bald so schwach, dass sie den Rollator zum Gehen brauchte. Früher hatten sie so viel gemeinsam unter­nommen, jetzt konnte sie fast nicht mehr selbständig gehen. Das war doch nicht normal! Franz konnte nicht mehr hilflos zusehen und brachte sie zurück in die Schweiz. Doch auch die intensive Medikation im Spital half nichts. Nach wenigen Tagen hatte Vreni den Kampf gegen die Bakterien verloren.

Allein schaffte ich es nicht mehr

Mit dem qualvollen Tod seiner Frau starb auch ein Teil von Franz. Er verschanzte sich im Wohnwa­gen, doch es war nicht mehr wie früher. Kein Gefühl mehr von Zuhau­se sein, kein Vreni mehr, kein Leben­straum mehr. Ohne sie hatte alles keinen Sinn mehr. Nun war er al­lein. Allein mit sich und seinem Schmerz. Die Kraft mit jemandem zu reden, fand er nicht. Franz war schon immer eher ein Einzelgän­ger. Überzeugt davon, dass auf andere kein Verlass ist, versuchte er mit Alkohol den Verlust zu verdrän­gen. Früher hatten Vreni und er alles zusammen gemacht: den Haushalt erle­digt, gekocht und gelacht. Allein schaffte er das nicht mehr. Er kümmerte sich um nichts und niemanden mehr, liess sich total gehen und zahlte auch keine Rechnungen mehr. Den Ernst der Lage erkannte er erst, als ein Mann vom Amt vor der Tür stand. Er musste den Wohnwagen verkaufen und in eine Sozialwohnung ziehen. Nun hatte er alles verloren.

Vreni wäre stolz auf mich

Ein Sozialarbeiter kam vorbei und drängte ihn, in ein betreutes Wohnheim zu ziehen. Franz konnte seine Not nicht mehr leugnen. Auch das Zittern seiner Hände stimmte ihn nachdenklich. So besuchte er mit ihm das Hertihus der Heilsarmee in Bülach. Anfangs war er skeptisch. Heute ist er sehr froh, dass er eingezogen ist. Hier hat er eine sinnvolle Aufgabe gefunden. Von einem Tag auf den anderen hörte er mit dem Trinken auf. Die Freude am Handwerk kam wieder. In der hauseigenen Werkstatt im Keller arbeitete er mit Holz. Auch seine Hände machen wieder mit. Es gelingt ihm sogar, kleinste Puzzleteile aus Holz auszusägen. Jedes Landschaftspuzzle ist ein Unikat und dreidimensional. Häuser, Bäume, Schiffe und Schlösser lassen sich frei auf der Landschaft platzieren. Seine 3D-Puzzles erfreuen aber auch andere.

Noch nicht #StandByMe- Mitglied?

Hat dir dieser Artikel gefallen? Möchtest du mehr über Einsamkeit erfahren oder vielleicht sogar unser jüngstes Spendengprogramm #StandByMe unterstützen? Dann schau auf unserer #StandByMe-Website rein. Dort erhältst du sämtliche Informationen wie du gemeinsam mit uns Einsamkeit lindern kannst.