Einsamkeit macht krank!

Einsamkeit ist nicht nur ein Symptom

In der Seelenheilkunde (Psychiatrie) war man lange der Meinung, dass Einsamkeit als Symptom anderer psychischer Störungen aufgefasst wurde. Wie neue Erkenntnisse aus der Epidemiologie, der Psychologie, der empirischen Sozialforschung, der Gehirnforschung und nicht zuletzt auch der Seelenheilkunde zeigen, kann und muss man dieses Leiden jedoch als eigenständigen Sachverhalt in den Blick nehmen. Einfach gesagt: Einsamkeit ist nicht «nur» ein Symptom, d.h. ein Krankheitszeichen, sondern Einsamkeit ist selbst eine Krankheit.

Einsam und darum häufiger körperlich krank

Manfred Spitzer beschreibt in seinem Buch «Einsamkeit – die unerkannte Krankheit» (2018, Droemer Verlag), dass Einsamkeit eine Krankheit mit fatalen Folgen für Körper und Seele ist. Wer einsam ist, erkrankt häufiger als andere an Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall, Depressionen und Demenz. Einsamkeit ist zudem ansteckend und breitet sich wie eine Epidemie aus – nicht nur Singles und Alleinstehende sind davon betroffen, sondern auch Verheiratete! Es kann jeden treffen.

Einsamkeit ist die Todesursache Nummer eins

Mit dieser Meinung ist Manfred Spritzer jedoch nicht allein. Diese alarmierende Botschaft wird mittlerweile weltweit von zahllosen wissenschaftlichen Studien bestätigt, die auch deutlich machen: Einsamkeit ist mehr als Alleinsein. Einsamkeit ist sogar tödlich.

Aber was ist nun Einsamkeit überhaupt?

Gemäss Wikipedia bezeichnet Einsamkeit die Empfindung, von anderen Menschen getrennt und abgeschieden zu sein, aber gilt auch als Sammelbegriff für besonders dünn besiedelte und meist abgelegene Gegenden. Einsamkeit hätte eine negative konnotierte Normabweichung oder sei mit Mangel verbunden. Mit Einsamkeit werden aber auch positive Aspekte in Zusammenhang gebracht, z.B. im Sinne einer geistigen Erholungsstrategie, die Gedanken ordnen oder Kreativität entwickeln bzw. fördern kann.

Einsamkeit nicht gleich soziale Isolation

Einsamkeit nicht gleich soziale Isolation

Mit Einsamkeit wird ein subjektives Erleben bezeichnet - man fühlt sich einsam. Wohingegen soziale Isolation gemessen werden kann – wie einsam ist man? Wer allein lebt, wenige Sozialkontakte hat oder nur ein kleines Netzwerk von sozialen Beziehungen aufrechterhält, weist eine grössere soziale Isolation auf als jemand, der viele Freunde und Bekannte hat und mit anderen zusammenlebt. Ob dieser Mensch sich deswegen einsam fühlt, ist dennoch offen. Ein an Depression erkrankter Mensch kann in einer intakten Familie leben, sehr viele Freunde und Bekannte haben und sich dennoch sehr einsam fühlen. Manchmal suchen Menschen die Einsamkeit gezielt auf und fühlen sich dabei sehr wohl. Die Zusammenhänge sind also nicht einfach, sondern kompliziert!

Aufbau des sozialen Netzes eines Menschen

Wer viele beste Freunde hat, hat auch eher viele gute Freunde und Bekannte. Weil Frauen bekanntermassen sozial kompetenter als Männer sind, haben sie im Durchschnitt auch etwas grössere soziale Netzwerke als Männer. Man weiss auch, dass in diesen Netzwerken mehr gleichgeschlechtliche Menschen vorkommen (Männer haben mehr Männer als Freund, Frauen mehr Frauen), und dass sich die Menschen stark hinsichtlich der Grösse ihrer sozialen Netzwerke unterscheiden.

Manche Persönlichkeitsmerkmale wie beispielsweise Schüchternheit oder Neugierde haben kaum eine Auswirkung auf die Grösse der sozialen Netzwerke einer Person. Andere hingegen schon: Besonders das Einfühlungsvermögen einer Person und ihre Selbstbezogenheit (Narzissmus) haben einen grossen Einfluss auf ihre sozialen Netzwerke.

Mitgefühl bestimmt wie einsam man sich fühlt

Mitgefühl bestimmt wie einsam man sich fühlt

Sehr wichtig ist jedoch, die Ausprägung des Mitgefühls bzw. der Empathie für andere Menschen. Empathische Menschen haben mehr beste Freunde als Menschen, die ‘gefühlskalt’ bzw. egoistisch wirken. Die Zahl der besten Freunde bestimmt ganz wesentlich, wie einsam sich jemand fühlt. Gemeinschaftsorientierte Menschen haben jedoch im Allgemeinen nicht nur mehr beste Freunde, sondern auch mehr gute Freunde sowie mehr Bekannte.

Qualität vor Quantität bei Freunden, Familie und intimen Beziehungen

Wichtiger als die Quantität unserer sozialen Bindungen ist deren Qualität. Ein Freund, der mit einem durch dick und dünn geht, ist wichtiger als 500 virtuelle Bekannte in einem Online-Netzwerk. Eine ebenso wichtige Rolle bei den sozialen Bindungen spielt die eigene Familie. Im Hinblick auf Qualität gibt es alles: von völlig zerstritten und sich aus dem Weg gehenden Geschwistern, Eltern und Kindern bis hin zu über Generationen gewachsenen sehr tragfähigen Verbindungen, in denen sich der Einzelne besser aufgehoben fühlt als irgendwo sonst.

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