„Jeder Mensch kann wohnen“

Dame autrichienne dans sa cuisine

Text: Florina German ● Bilder: MAD


 

Mit der Mobilen Wohnbegleitung hilft die Heilsarmee in Wien Menschen beim Übergang in die eigene Wohnung. Seit fünf Jahren schliesst sie damit eine Lücke in der Wohnungslosenhilfe. Sie hat das im November gefeiert und ihre Zukunftspläne präsentiert.

In zwei Worten zusammengefasst möchte die Mobile Wohnbegleitung (MOWO) „Delogierungsprävention“ leisten und zur „Wohnraumerhaltung“ beitragen. Das heisst vermeiden, dass Personen, die etwa von einem Wohnheim in eine eigene Wohnung ziehen, diese wieder verlieren. Denn ist eine Person erstmal zurück in einem stationären Angebot der Wiener Wohnungslosenhilfe, ist der Weg in die eigene Wohnung oft lang.

Die drei engagierten MOWO-Mitarbeiterinnen der Heilsarmee Wien unterstützen ihre Klienten beim Übergang in die eigenen vier Wände: Umzug, Papierkram und Kontakt mit dem Vermieter, aber auch Integration ins neue Wohnumfeld. Es gilt zum Beispiel, gemeinsam Ärzte in der Nähe zu finden, zuständige Personen in den Ämtern kennenzulernen und zu klären, welche finanziellen Ansprüche eine Person für ihren Unterhalt geltend machen kann.

ERFOLGSFAKTOR FREIWILLIGKEIT

MOWO ist eine Idee der Heilsarmee Wien. Sie entwarf das Konzept und setzte es vor fünf Jahren um. Der Heilsarmee, damals noch Pionierin, sind inzwischen andere Organisationen gefolgt. Eine Versorgungslücke ist geschlossen. Die Begleitung durch MOWO ist für die Klienten freiwillig, und genau das, sagt Sozialarbeiterin Verena Steinbauer, helfe vielen Personen, diese Hilfe anzunehmen. Klienten schliessen mit der MOWO einen Vertrag zur Begleitung über maximal sechs Monate ab, danach wird evaluiert und bei Bedarf verlängert.

Personen, die Betreuung von MOWO nicht oder nicht mehr in Anspruch nehmen, dennoch punktuell Hilfe brauchen, steht die Beratungsstelle der Mobilen Wohnbegleitung offen: Hier füllen die Sozialarbeiterinnen mit ihnen Anträge aus, übersetzen das Amtsdeutsch, beraten in Budget- und Schuldenfragen, verhandeln auch Ratenzahlungen bei Zahlungsschwierigkeiten oder reagieren, wenn doch eine Räumungsklage ins Haus steht. Erkennen sie beispielsweise, dass jemand eine engere Begleitung durch MOWO bräuchte, bieten sie längerfristige Betreuung an. So lässt sich ein Wohnungsverlust unter Umständen abwenden. Die Beratungsstelle ein immer häufiger genutztes Angebot, das die Heilsarmee ausbaut.

POLITISCH AM PULS DER ZEIT

„Jeder kann wohnen, mit der richtigen Unterstützung“, ist Verena Steinbauer überzeugt. Diese eher neue Sichtweise prägt MOWO in der Wiener Wohnungslosenhilfe. Den wachsenden Herausforderungen auf dem Wiener Wohnungsmarkt – die Stadt wächst, es steht zu wenig bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung und Personen verlieren schneller den Anspruch auf eine Wohnung – begegnet MOWO erneut in der Vorreiterrolle: Zum 5-Jahr-Jubiläum im November 2016 hat die Heilsarmee ihre Partner zu einer Podiumsdiskussion über die Wohnungssicherung im Gemeindebau eingeladen. Noch fehlt ein gemeinsames Wiener Konzept. Ziel der kommenden Jahre ist unter anderem, die verschiedenen Träger zu vernetzen und Angebote der Wohnbegleitung zu standardisieren.