Stefan M. lernt Paletten zu bauen

«Bei der Heilsarmee fügt sich für mich alles wieder zusammen.»

Stefan M.*, (54): «Mein Leben hatte ich mir in den schönsten Farben ausgemalt. Ich war auf dem besten Weg, alles zu erreichen, was ich mir immer gewünscht hatte. Dann kam alles anders und ich merkte, dass es keine Garantie für Glück gibt. Doch die Heilsarmee war für mich da und liess mich nicht alleine.»

«Mein grösster Traum war es, eine eigene Familie zu gründen. In Gaby* hatte ich meine grosse Liebe gefunden und die Hochzeit krönte unser Glück. Auch im Job lief es wunderbar. Ich war Kranführer in einem grossen Unternehmen. Ein wichtiger Job mit viel Verantwortung, das gefiel mir. Es passte einfach alles. Doch dann erhielt ich eine schreckliche Diagnose.

Mein neuer Freund, der Alkohol

Es stellte sich heraus, dass ich zeugungsunfähig bin. Für mich brach eine Welt zusammen und auch Gaby war am Boden zerstört. Unsere Ehe litt unter dem un- erfüllten Kinderwunsch. Streitereien belasteten uns auf einmal sehr. Wir machten uns gegenseitig Vorwürfe.

Unsere Beziehung zerbrach und die Scheidung war nicht mehr abzuwenden. Als ich dann auch noch erfuhr, dass Gaby nun mit meinem besten Freund zusammen ist, brach meine Welt zusammen. Nach all den Jahren stand ich auf einmal ganz alleine da.

Ich kam nicht mehr zurecht und fing an zu trinken. Schnell blieb es aber nicht mehr nur beim Feierabendbier. Mit Gin und Schnäpsen stürzte ich ab. Es interessierte mich nichts mehr, ich war fertig mit der Welt. Nach und nach hatte ich alles verloren, was mir einmal wichtig gewesen war: meine grosse Liebe Gaby, meine Freunde und unser gemeinsames Zuhause.

Übergangsmässig kam ich bei meiner Schwester unter. Sie war die Einzige, die irgendwie noch an mich glaubte. Aber ich liess mich immer mehr gehen und ging auch nicht mehr regelmässig zur Arbeit. Schliesslich verlor ich auch noch meinen Job als Kranführer. Jetzt war ich wirklich zu nichts mehr zu gebrauchen. Da zog meine Schwester die Reissleine.

«Ich werde nicht zu Ihrer Beerdigung kommen.»

Eines Morgens packte sie mich am Arm und fuhr mit mir in die Klinik. Ich konnte es ihr nicht übel nehmen. Tief in mir drinnen wusste ich, dass es so nicht mehr weitergehen konnte. In der Entzugsklinik fühlte ich mich zum ersten Mal entlastet. Ich war nicht mehr alleine und durfte in der Gärtnerei mithelfen. Endlich wieder eine sinnvolle Tätigkeit, bei der ich mich beweisen konnte!

Anfangs fiel es mir schwer, die Finger vom Alkohol zu lassen. Aber ein Satz meines betreuenden Arztes brannte sich in mein Gedächtnis ein: ‹Sie können genauso weitertrinken, aber ich werde nicht zu Ihrer Beerdigung kommen.› Dieser Spruch hat gesessen. Ich merkte, dass ich wirklich alle vergrault hatte, die mir jemals etwas bedeutet hatten.

Ich wollte nun unbedingt wieder Fuss fassen im Leben und eine neue Arbeit würde mir dabei helfen. Auf dem Arbeitsmarkt rechnete ich mir jedoch nur geringe Chancen aus. Mein Arzt ermutigte mich aber, diesen Weg zu gehen, und machte mich auf das Männerwohnheim Hasenberg der Heilsarmee aufmerksam.

Die Heilsarmee gab mir eine neue Chance

Wenn ich wirklich trocken werden wollte, musste ich mein gewohntes Umfeld verlassen. Deshalb war es gut, dass der Hasenberg etwas abseits liegt. Bei der Heilsarmee fand ich Gemeinschaft, ein Daheim und das Wichtigste für mich: endlich wieder eine Arbeit.

Nach dem ersten Rundgang wusste ich, dass die Paletterei das Richtige für mich war. Sie zeigten mir, wie man die Holzpaletten zusammenbaut, und sogleich durfte ich anfangen. Der geregelte Tagesablauf mit Arbeiten und Wohnen im Hasenberg hat mir Kraft gegeben.

Vor drei Jahren ging ich selbständig auf die Suche nach einer Wohnung. Seither lebe ich nur ein paar Dörfer weiter in meinen eigenen vier Wänden. Auch nach mittlerweile zehn Jahren gefällt mir die Arbeit im Hasenberg immer noch. Wenn ich am Abend auf den Stapel mit den fertigen Paletten blicke, bin ich stolz, dass ich etwas Sinnvolles geschafft habe. Ich könnte mir nichts anderes mehr vorstellen.»

Holzverarbeitung im Hasenberg
Palettenbau im Hasenberg
Gärtnereiarbeit im Hasenberg

Heilsarmee Hasenberg

Zurück in geregelte Bahnen

Das Wohnheim der Heilsarmee bietet Männern in schwierigen Lebenssituationen ein Zuhause und eine Beschäftigung. Die Bewohner sind aufgrund einer vorangegangenen Suchterkrankung oder einer psychischen Einschränkung nicht in der Lage, selbständig für sich zu sorgen. In der hauseigenen Gärtnerei, der Hauswirtschaft, der Küche und der Schreinerei findet jeder Bewohner eine Tätigkeit, die seinen Fähigkeiten entspricht. Die Betreuten sollen wieder selbständiger werden und das Vertrauen in sich selbst zurückgewinnen. Im Wohnheim Hasenberg in der Gemeinde Waldkirch (SG) leben und arbeiten zurzeit 36 Männer.