Sophie N. beim Kaffee mit Heilsarmee-Betreuerin

«Nach ruhelosen Jahren blicke ich zuversichtlich in die Zukunft.»

Ein Leben mit vielen Umzügen

Sophie sorgt sich um Ihre Wohnungssituation
Sophie macht sich Sorgen, dass sie bald ohne Wohnung dasteht.

Sophie N.* (34) hat eine traurige Kindheit und ein ruheloses Leben hinter sich. Mit 18 Jahren setzte sie ihr Vater vor die Tür. Seither ist sie rund zehnmal umgezogen. Als ihr Lebenspartner sie 2013 aus der gemeinsamen Wohnung warf, war das für sie ein schlimmes Déjà-vu. Mit Hilfe der Heilsarmee konnte sie ihrem Leben nun einen beständigen Rahmen geben.

«2013 stellte mich mein damaliger Lebenspartner mehr oder weniger von einem Tag auf den anderen auf die Strasse. Er hatte eine andere Frau gefunden und wollte mich loswerden. Das war ein grosser Schock für mich – zumal seine Neue eine gute Kollegin von mir war.

Ich hatte grossen Liebeskummer und stand ohne Dach über dem Kopf da. Denn ich hatte zu diesem Zeitpunkt keinen Kontakt zu meiner Mutter, und zu meinem Vater zurück konnte ich auf keinen Fall. Geld hatte ich auch keines – nur einen hohen Schuldenberg, zu dem mein Expartner wesentlich beigetragen hatte. Zudem verstärkte die missliche Situation meine Depressionen, unter denen ich seit meiner Kindheit leide.

Schlechte Erinnerungen wurden wach. «Nein, das darf doch nicht sein – nicht schon wieder!», sagte ich mir. Denn mit 18 Jahren setzte mich mein Vater ebenfalls vor die Tür.

Wie kam es dazu? Meine Eltern trennten sich, als ich acht Jahre alt war. Ich kam zu meinem Vater, der bald wieder heiratete. Zu meiner Stiefmutter hatte ich nie ein gutes Verhältnis. Sie sagte zu mir: «Du bist die Älteste, also kümmere dich um deine Geschwister.»

Ich hatte einen Bruder, einen Halbbruder und eine Halbschwester und war überhaupt das Mädchen für alles – mehr eine Hausangestellte als ein Kind. Ich bekam sogar Schläge.

Wir wohnten in Basel und litten ständig unter finanziellen Sorgen. Deshalb schleppte mich mein Vater 2003 zum Sozialamt und beantragte Sozialhilfe für mich. Als das geregelt war, sagte er: «Nun werden wir dich nicht mehr unterstützen – du kannst gehen.»

Wieder auf der Strasse

«2013, zehn Jahre später, stand ich also wieder mittellos auf der Strasse. Zum Glück fand das Sozialamt übergangsweise eine Notwohnung für mich. Es dauerte dann ganze zwei Jahre, bis ich wieder eine eigene Wohnung gefunden hatte.

Damals kam ich zum ersten Mal mit der Heilsarmee in Kontakt. Sie mietete die Wohnung für mich. Endlich hatte ich mein eigenes Zuhause! Doch mein Glück dauerte nur kurze Zeit. Denn schon nach einem halben Jahr wurde allen Mietern gekündigt, weil das Haus renoviert werden sollte.»

Sophie hängt Wäsche zum trocknen auf.

Unterstützung durch die Heilsarmee

«Die Kündigungsfrist war sehr kurz und um ein Haar wäre ich wieder auf der Strasse gestanden. Doch zum Glück ist die Heilsarmee Basel weiterhin für mich da gewesen!

Sie hat mir geholfen, eine neue Wohnung zu finden, und unterstützt mich mit ihrer Dienstleistung «Begleitetes Wohnen»: Meine Betreuerin hilft mir beim Haushalten, Regeln meiner Finanzen, Umgang mit den Behörden und vor allem beim Erarbeiten einer festen Tagestruktur.»

Ruhigeres Leben in Aussicht

«Für diese wertvolle Hilfe danke ich der Heilsarmee von Herzen. Ich weiss nicht, wie ich sonst alles geschafft hätte. Wegen meinen Depressionen und Schlafstörungen bin ich nach wie vor in Therapie.

Da ich psychisch noch nicht stabil bin, nehme ich das begleitete Wohnen der Heilsarmee vorübergehend weiter in Anspruch. Das entlastet mich sehr. Hier im Dorf habe ich mich auch gut integriert. Ich habe das Gefühl, endlich irgendwo angekommen zu sein und Ruhe finden zu können.

Zudem habe ich inzwischen auch wieder Kontakt zu meiner leiblichen Mutter, das freut mich sehr. So blicke ich nun mit Zuversicht in meine Zukunft und hoffe, dass ich bald ganz auf eigenen Beinen stehen kann»

 

 

* Zum Schutz der Privatsphäre wurde der Name geändert und eine andere Person abgebildet.

Begleitetes Wohnen für Menschen ohne Obdach

Seit mehr als 100 Jahren bieten wir in Kleinbasel Menschen einen Ort der Geborgenheit und Wärme, der Zuwendung und Hilfe - ein Stück Heimat. Wir geben ihnen Wertschätzung, sehen das Wertvolle in ihnen und unterstützen sie beim Lösen ihrer Probleme und auf ihrem Weg zurück in ein selbständiges Leben. Unser Angebot in Basel umfasst ein Frauen- und ein Männerwohnheim, sowie die Dienstleistung "Begleitetes Wohnen". Dazu gehören sozialpädagogische Unterstützung und Begleitung in der eigenen Wohnung: für mehr Selbständigkeit beim Wohnen, der Haushaltsführung, bei administrativen Angelegenheiten, Behördengängen, gesundheitlichen Fragen und beim Pflegen sozialer Kontakte.