«Niemand fühlte sich für mich zuständig - ausser die Heilsarmee»

Allein gelassen, wenn man Hilfe am nötigsten hätte

Pierre verzweifelt: lange Zeit kann ihm niemand helfen.
Pierre verzweifelt: lange Zeit kann ihm niemand helfen.

Mitten in seinen besten Jahren wurde Pierre* von einer schwerwiegenden Diagnose getroffen: Er leidet an einer seltenen neurologischen Erbkrankheit, die sich langsam, aber stetig ausbreitet. Auf einen Schlag veränderte sich alles: sein Leben, seine Zukunft und seine Hoffnungen. Es war der Beginn von vielen schwierigen Jahren - und einer für lange Zeit erfolglosen Suche nach Hilfe.

«Ich weiss, wie man sich fühlt, wenn man vergeblich um Hilfe bettelt, weil sich niemand verantwortlich fühlt. Ich hatte einen Beruf, eine Partnerin, lebte ein seriöses Leben - bis zum Tag meiner Diagnose, als ich alles verlor.

Am Anfang litt ich nur unter Koordinations- und Sprachstörungen. Leider haben sich die Symptome bis heute gravierend verschlimmert.»

 

* Zum Schutz der Privatsphäre wurde der Name geändert und eine andere Person abgebildet. 

Wie die Höllenfahrt begann

«Ich habe mein ganzes Leben in Genf verbracht. Trotz Schwierigkeiten in der Schule schaffte ich den Lehrabschluss als Sanitär. Ein Beruf den ich mit grosser Freude ausübte.

In der Schweizer Armee brachte ich es bis zum Feldweibel. Meine Lebensgefährtin und ich wollten heiraten, sie wünschte sich eine Familie und Kinder.

Doch dann bekam ich die Diagnose und meine Welt brach zusammen. Weil es sich um eine Erbkrankheit handelt, war an Kinder nicht mehr zu denken.

Weinend sagte ich meiner Freundin, sie solle sich einen anderen Ehemann nehmen, war ihr Wunsch nach Kindern doch so gross.

Ein intensives Leben

Mir war bewusst, dass sich meine Krankheit mit der zeit verschlimmern würde. Ich wollte möglichst viel erleben, solange ich noch die Möglichkeit dazu hatte. Für einen Sozialeinsatz reiste ich auf die Philippinen - das war eine der schönsten Erfahrungen meines Lebens.

Meine Arbeit mit den Strassenkindern dort erfüllte mich mit neuem Lebensmut, auch wenn sie nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heissen Stein war.

Doch ich hatte Pech: Auf einem Ausflug verletzte mich ein Bambusrohr an der Leiste. Die Wunde entzündete sich so stark, dass ich in die Schweiz zurückgeführt werden musste.

Mein Zustand verschlimmerte sich

«Plötzlich entwickelte sich meine Krankheit so schnell, dass mir die Invalidenversicherung eine Rente gewährte. Aber glauben Sie nicht, dass ich damit keine Sorgen mehr hatte: Ich war immer noch jung und hatte noch lange nicht das Eintrittsalter für ein Altersheim erreicht.

Meine Krankheit war zwar schlimm, sie rechtfertigte aber keinen Krankenhausaufenthalt - damit begann meine Ausgrenzung. Ich litt unter schrecklichen Angstzuständen, weil mich keine Institution aufnehmen wollte.»

Endlich erhielt ich Unterstützung

Alles änderte sich, als ich die Heilsarmee näher kennenlernte: Hier wurde ich mit offenen Armen empfangen. Zuerst war ich überrascht, denn mein damaliges Bild der Heilsarmee war auf die traditionelle Topfkollekte an Weihnachten begrenzt, auf die Damen und Herren in Uniform.

Nie hätte ich vermutet, dass dahinter eine so barmherzige Organisation steckt - die sich einsetzt, um die Not der Menschen zu lindern. 

Endlich hatte ich an die richtige Tür geklopft und wieder ein Dach über dem Kopf. Und nicht nur das: In der Werkstatt des Centre-Espoir in Genf fand ich eine bereichernde Beschäftigung.

Das war ein Lichtblick, aber mein Zustand verschlimmerte sich weiter. Eines Tages war es mir nicht mehr möglich, meiner Arbeit in der Werkstatt nachzugehen. Dank des breiten Angebots der Heilsarmee fand ich ein neues Zuhause in der Résidence Amitié.

Ich war eigentlich immer noch zu jung für ein Alterswohnheim, wurde aber trotzdem herzlich aufgenommen. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass mich die Heilsarmee aus meiner Not gerettet hat. Hier fühle ich mich geliebt und behütet.

Ist das nicht das, was im Leben am meisten zählt?»

Für Menschen in allen Lebenslagen

Die Heilsarmee ist in Genf ist vielseitig aktiv: An 13 Standorten sind mehr als 300 Mitarbeitende im Einsatz. Sie beraten, organisieren, hören zu und vieles mehr - zum Beispiel teilen sie über 270'000 Mahlzeiten pro Jahr an Menschen in Not aus. Die grösste Institution ist das Centre-Espoir. Es bietet 112 Zimmer und 65 Arbeitsplätze für Erwachsene, die in ihrer Autonomie eingeschränkt sind. In der Altersresidenz Résidence Amitié finden 52 Seniorinnen und Senioren ein Zuhause. Mit individueller Betreuung und grösstmöglicher Selbständigkeit fördert man die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner.