«Ich dachte, mein Weihnachtswunsch würde nie in Erfüllung gehen»

Traurige Frau auf der Treppe sitzend mit Kapuzenpulli
Immer wieder stellt sich Karin vor, was gewesen wäre, wenn sie als 20-Jährige nicht abgetrieben hätte.

«Ich wünschte mir nichts sehnlicher als eine glückliche Familie, die an Weihnachten am reichlich gedeckten Tisch sitzt und feiert.»

Karin*, 58

 

«Meine Eltern liessen sich scheiden, als ich noch ein Kind war. Die fehlende Vaterfigur suchte ich in meinem ersten Freund, mit dem ich kurz nach der abgeschlossenen Lehre zusammengezogen war.

Meine Eltern waren sich einig, dass das alles viel zu schnell ging. Dass mein Freund auf die schiefe Bahn geraten war, bereitete ihnen zusätzlich Sorgen.

Als ich dann auch noch unterwartet schwanger wurde, sahen sie für mich keinen anderen Ausweg, als das Kind abzutreiben. Mit 20 Jahren konnte ich fast nicht anders, als mich dem Willen meiner Eltern zu fügen.

Was folgte, war das dunkelste Kapitel in meinem Leben.»

Überwältigende Schuld

«Die Schuld, dass ich mein eigenes Kind abgetrieben hatte, überwältigte und verfolgte mich fortan. Nichts konnte die unendliche Leere in meinem Herzen füllen - bis ich die Drogen meines Freundes auf dem Wohnzimmertisch fand. Für kurze Zeit gaben mir diese ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit zurück.

Ich war nur noch mit mir selbst und meinem Elend beschäftigt. Ich trennte mich von meinem Freund, verlor meinen Job und lebte zeitweise auf der Strasse.

Als ich sah, wie sich andere Frauen verkauften, um an Geld für die Drogen zu kommen, erkannte ich, dass es so nicht weitergehen konnte.

Ich machte einen Entzug und begab mich in ein stationäres Wohnheim. In dieser Zeit lernte ich meinen jetzigen Ehemann Thomas* kennen. Ich wurde erneut schwanger und bekam eine kleine Tochter. Endlich hatte ich die Familie, die ich mir immer gewünscht hatte!

Ich wollte dieses Mal alles richtig machen.»

Rückschläge

«Doch ich war nicht stark genug. Ich verfiel der nächsten Sucht: dem Alkohol. Die Erinnerungen an mein erstes Kind holten mich immer wieder ein. Oft sass ich vor dem Fernseher und kümmerte mich nicht um meine Tochter. Wenn Sophie* schrie, konnte ich sie nicht trösten.

Die jahrelange Sucht hatte mein Wesen verändert und mich emotional abstumpfen lassen. Zum Glück war Thomas da.

Thomas kümmerte sich rührend um unsere Tochter Sophie. Er hielt auch immer zu mir und gab der kleinen, zerbrechlichen Familie Halt. Ich wollte diese Liebe endlich erwidern und entschloss mich, eine Psychotherapie zu machen.»

Zurück ins Familienleben

In der Therapie lernte ich, mir selbst zu verzeihen und meine Muttergefühle wieder zuzulassen. Meine Therapeutin erzählte mir von der Heilsarmee und dass ich dort Begleitung und Hilfe erfahren könne.

Letzten Dezember startete ich mit einer neuen Art von Therapie, um von der Sucht frei zu werden. In dieser Zeit fühlte ich mich stark von meinem wiedergefundenen Glauben an Gott getragen.

An Weihnachten fasste ich den Vorsatz, von nun an immer für meine Familie da zu sein.»

 

Wir begleiten Karin auch heute noch und stehen ihr beratend zur Seite. Sie kann nun ganz für ihre Familie da sein und die Vorfreude auf Weihnachten geniessen. Dass Karin wieder festen Boden unter den Füssen hat, haben wir auch unseren Spenderinnen und Spendern zu verdanken. Mit ihrer Hilfe dürfen wir Familien wieder zusammenführen. Helfen Sie uns?