Altes Industrieareal erwacht zu neuem Leben

● Text: Elsbeth Cachelin ● Bild: zvg


 

Die Majore Anita und Johannes Breiter, Korpsoffiziere der Heilsarmee Dagmersellen, erzählen von Gottes Führung, Trampolin-Springerinnen und Pionierarbeit.

„Suppe, Seife, Seelenheil“: Entsteht der Standort Dagmersellen auch nach diesem Motto?
Anita Breiter: In Dagmersellen ist es umgekehrt. Wir halten am neuen Standort vorerst Gottesdienste ab. Andere Aktivitäten sowie die soziale Arbeit bauen wir dann nach und nach auf, und zwar so, wie sich die Bedürfnisse entwickeln.

Bibelwort vor Businessplan – ein Wachsen von innen nach aussen?
Johannes Breiter: Tatsächlich war der neue Standort zunächst ein Gebetsanliegen. Uns lag seit 20 Jahren am Herzen, die Heilsarmee ins Luzerner Hinterland zu bringen – dorthin, wo Gott uns führen würde.

Und Gott führte nach Dagmersellen?
Johannes Breiter: Hinter dem Entscheid, hier einen neuen Standort zu öffnen, stehen – neben viel Gebet – auch zahlreiche Abklärungen hinsichtlich Liegenschaft, Finanzen, Ressourcen. Aber die Art, wie wir dann die alte Spinnerei gefunden haben und mieten konnten, lässt nicht daran zweifeln: In den langen Vorbereitungsjahren ist uns vieles von Gott her zugefallen. Er lieferte den „Businessplan“ und hat uns geführt.

Die Heilsarmee wird oft an ihrer sozialen Tätigkeit gemessen. Müssen Sie Ihre geistliche, evangelistische Arbeit rechtfertigen?
Johannes Breiter: Viele Menschen finden bei uns eine Heimat, familiären Anschluss, neue Perspektiven. Somit haben unsere Gottesdienste durchaus sozialen, präventiven und vorbeugenden Charakter: Menschen können ihre Lebensfragen teilen, sie finden Integration und Gemeinschaft. 
Anita Breiter: Und innerhalb der Gemeinde, zum Beispiel in den privat stattfindenden Kleingruppen, helfen sich die Leute ganz praktisch: Sie besuchen Kranke und Einsame, helfen einander beim Putzen oder Zügeln. Da leisten die Menschen soziale Arbeit und schaffen den Boden für spätere Heilsarmee-Aktivitäten.

„Die Heilsarmee ist ... kein Gebäude, sondern jemand, der für Gott lebt und dem Nächsten dient“* – Sie setzen diesen Slogan um?
Johannes Breiter: Genau. Heilsarmee-Aktivitäten lassen sich nicht einfach aus dem Boden stampfen. Deshalb sind die Beziehungen, das Umfeld und das Christsein des Einzelnen wichtig. Alle, die zu unserer Gemeinde gehören, sind „Heilsarmee“ dort, wo sie wohnen, arbeiten, ihre Freizeit verbringen. So bauen wir gemeinsam die Aktivitäten des neuen Standorts auf. 

Ein Beispiel?
Anita Breiter: Wir greifen auf vorhandene Möglichkeiten und Ressourcen zurück: Jemand hat Kontakt zum Altersheim – und schon gehen wir dort regelmässig singen. Ein anderes Mitglied ist begeisterte Minitrampolin-Springerin. Sie öffnet ihr Haus für Gleichgesinnte und lädt sie dann auch zu unseren Gottesdiensten ein. Wir haben Kontakt mit dem Sozialberatungszentrum Willisau, ich nehme Einsitz in der Asylkommission meiner Wohngemeinde; das ermöglicht, Behördenvertreterinnen kennenzulernen, und öffnet Wege zur Zusammenarbeit. 
Johannes Breiter: Wir haben uns zudem sowohl dem katholischen Pfarreileiter wie dem reformierten Pfarrer vorgestellt. So nutzen wir offene Türen, um sozialdiakonische, aber auch praktische Angebote aufzustellen.

Und die Renovationsarbeiten am Gebäude?
Johannes Breiter: Auch da packen wir selber an. Seit Januar 2017 leisteten unsere Leute 2000 Stunden Freiwilligenarbeit. Wir haben gelernte Schreiner, Zimmerleute, Maurer, die ihre Abende und Samstage opfern. Oder ein Banker engagiert sich als gewiefter Plattenleger. Die gemeinsame Arbeit schweisst zusammen und die Resultate überzeugen!

Gibt es Pläne für 2018?
Anita Breiter: Auf dem ganzen Industrieareal – wir mieten nur einen kleinen Teil – ist eine Gewerbeausstellung geplant. Wir werden dabei sein, denn die Heilsarmee ist dort, wo die Leute sind. Wir planen, Kinderprogramme, Gebetsdienst und ein Dessert-Bistro anzubieten. Zudem werden wir die WC-Anlage zur Verfügung stellen. Während die anderen Aussteller ihre Produkte verkaufen, wollen wir uns auf Begegnungen mit den Besucherinnen und Besuchern konzentrieren.

*„Die Heilsarmee ist nicht eine Idee, eine Marschrichtung und schon gar nicht ein Dogma, ein Gebäude, was weiss ich …, sondern sie ist ein Mann oder eine Frau, jemand, der aus Liebe für Gott lebt und dem Nächsten dient, auch wenn es bedeutet, sich selber zu vergessen.“ Kommissär Charles Péan (1901–1991), Heilsarmee-Offizier.

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