Herr Delco arbeitet in der Brocki der Heilsarmee.

«Ich konnte mir nicht vorstellen, je von Armut betroffen zu sein.»

«Ich habe mein Leben lang mit Freude gearbeitet. Dann nahm das Unglück seinen Lauf. Aufgrund von Mobbing musste ich meine Traumstelle kündigen. Ich verlor alles – mein Vermögen und die Zuversicht. Dank der Heilsarmee fühle ich mich wieder als wertvoller Bestandteil der Gesellschaft und habe wieder Hoffnung.»

Enrico D. (62)

«Gelernt habe ich Herrencoiffeur. Da der Verdienst jedoch knapp zum Leben reicht, habe ich mich weiterorientiert. Ich wurde Rayonleiter im Bau-, Hobby- und Gartencenter einer grossen Kette. Auf diesem Beruf arbeitete ich über zehn Jahre. Danach war ich für mehrere Jahre bei einer Versicherung in der Familienvorsorge und als Lebens- und Anlageberater tätig.

Aus privaten Gründen kündigte ich meine Stelle und zog in den Kanton Aargau. Hier habe ich ganz neu begonnen und fand eine Stelle in der Möbelbranche. Nach zwei Jahren wechselte ich den Arbeitgeber und übernahm die Leitung der Küchenabteilung – von der Planung über den Verkauf und die Organisation bis hin zur Abnahme beim Kunden. Eine sehr spannende Aufgabe und eine echte Bereicherung. Ich verdiente gut und konnte mir zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen jemals von Armut betroffen zu sein.»

«Durch Mobbing verlor ich meine Traumstelle.»

«Im zehnten Jahr bekamen wir einen neuen Filialleiter und das Mobbing begann. Über viele Jahre mit Millionen-Umsätzen einer der besten Verkäufer, wurde meine Leistung nun nicht mehr anerkannt. Ich sah mich ständig mit Anfeindungen konfrontiert. Mehrere Gesprächsversuche brachten keine Besserung. Ich sprach den Personalleiter auf die Missstände an. Die belastende Situation hatte Einfluss auf meine Arbeit – meine Umsätze waren rückläufig. Ich erklärte, dass ich unter diesen Umständen nicht weiterarbeiten könne, fand aber kein Gehör. So musste ich im Alter von 53 Jahren mit grossem Bedauern meine Traumstelle aufgeben. Ein Jahr nach meinem Weggang, wurde dem Filialleiter gekündigt, da sich gesamte Belegschaft weigerte unter seiner Führung weiter zu arbeiten. Leider zu spät für mich.

Die Kündigung fiel mir nicht leicht. Ich wusste, dass es aufgrund meines Alters schwierig werden würde, wieder eine Arbeitsstelle zu finden. Aber ich fand nochmals eine Stelle. Glücklich war ich jedoch nicht und nach zwei Jahren wurde das Arbeitsverhältnis in gegenseitigem Einverständnis aufgelöst. Durch meine Erfahrungen und die hervorragenden Zeugnisse, glaubte ich an eine weitere Chance auf dem Arbeitsmarkt. Leider wurde ich enttäuscht. Der Bewerbungsprozess war eine Qual. Über 500 Bewerbungen. Unzählige Standardabsagen. Auf telefonische Nachfrage wurde mir öfters bestätigt, dass sie sich jemand jüngeres für diese Stelle vorgestellt haben. Ich resignierte und habe die Absagen einfach hingenommen. Nach zwei Jahren Arbeitslosigkeit wurde ich ausgesteuert.»

Ursache Arbeitslosigkeit - Herr Delco braucht Hilfe

«Erst, wenn man nichts mehr hat, wird einem geholfen.»

«Da ich über Vermögen verfügte, hatte ich keinen Anspruch auf Sozialleistungen. Sofort kamen Zukunftsängste in mir hoch. Wie weit reicht das Geld? Was bedeutet dies für meinen Lebensabend? Das Bewusstsein, dass der Moment kommt, wo das Vermögen erschöpft sein wird und der Gang zum Sozialamt unausweichlich wird, belastete mich sehr. Zudem wurde ich von einigen Personen in meinem Umfeld nun anders behandelt. Von oben herab und mir wurde vermittelt, dass ich als Mensch nichts mehr wert sei. Dadurch habe ich mich zurückgezogen und mich immer stärker von der Gesellschaft isoliert. Ich wollte einfach in Ruhe gelassen werden. Auch damit ich mich nicht ständig rechtfertigen musste. Die meiste Zeit war ich zu Hause. In meinen vier Wänden habe ich mich sicher und geborgen gefühlt.

Ohne Sozialleistungen hatte ich auch kein Anrecht auf Unterstützung bei der beruflichen Wiedereingliederung. Dann war mein Erspartes aufgebraucht. Ich meldete mich auf dem Sozialamt. Keine schöne Situation, wenn dein Hab und Gut geprüft wird und dir gesagt wird, dass liebe Erinnerungen aufgrund ihres Wertes verkauft werden sollen. Wieder ereilte mich das Gefühl, keinen Wert als Mensch mehr zu haben. Da ich inzwischen über 60 war, hatte ich auch kein Anrecht mehr auf berufliche Reintegrations-Massnahmen. Um die Leistungen zu erhalten, musste ich mich aber weiter bewerben. Ich fühlte mich im Stich gelassen, kam der Auflage aber nach. Jedoch ohne Hoffnung auf Erfolg.»

«Mein sehnlichster Wunsch ist es, wieder einer erfüllenden Arbeit nach zu gehen.»

«Eines Tages, während meiner Bewerbungen, poppte auf meinem Bildschirm das Fenster mit dem Programm von travailPLUS auf. Interessiert studierte ich den Inhalt. Die Möglichkeit, sich direkt zu bewerben, nutzte ich. Bereits am nächsten Tag durfte ich den Anruf von Melanie Bonomi (Jobcoach travailPLUS) entgegennehmen. Die Freude war gross, war es doch die erste positive Reaktion in meinem langjährigen und zermürbenden Bewerbungsprozess. Ich spürte: endlich geht was.

Kurz darauf haben wir uns für ein klärendes Gespräch getroffen. Ein Punkt betraf die Kosten für das Programm. Wegen meines Alters lehnte die Gemeinde die Kostenübernahme ab. Frau Bonomi stellte einen Antrag an den Fonds der Heilsarmee, der in Härtefällen angefragt werden kann. Kurz vor Weihnachten erhielt ich einen Anruf von ihr und mit ihrem positiven Bescheid machte sie mir ein unbezahlbares Geschenk. Der Antrag wurde angenommen und die Kosten für ein halbes Jahr gedeckt. Und sie hatte auch bereits einen Platz in der Brocki Reinach AG für mich. Kurz darauf habe ich mit dem Programm begonnen. Ich habe wieder eine feste Tagesstruktur und bin unter Menschen, die mich schätzen und akzeptieren. Jeden Tag höre ich zum Abschluss: «Danke für den Einsatz.» Ein Dankeschön zeigt die Wertschätzung und die Anerkennung der Leistung und ist mit Geld nicht aufwiegbar.

Herr Delco arbeitet bei der Heilsarmee im Brocki.

Ich bin der Heilsarmee für die Chance sehr dankbar.

Für die Zukunft wünsche ich mir sehnlichst, nochmals eine erfüllende Stelle zu finden, in der ich mich einbringen kann. Sehr gern wieder als Küchenplaner oder auch als Chauffeur für Behinderte. Ich würde aber auch sehr gern behinderte Menschen bei der Haushaltführung unterstützen.»

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