Sozialhilfe: Miteinander reden, Rollen klären

Die Heilsarmee ruft private Hilfswerke und staatliche Stellen auf, sich auf Augenhöhe über die Verteilung ihrer Rollen auszutauschen.

Die Heilsarmee, vertreten durch Daniel Röthlisberger (Leiter Sozialwerk), ruft private Hilfswerke und staatliche Stellen auf, sich auf Augenhöhe über die Verteilung ihrer Rollen auszutauschen. Diese Position vertrat sie an einer Medienkonferenz am 7. November, zu der sie gemeinsam mit der Caritas Schweiz sowie dem Schweizerischen Roten Kreuz in Bern eingeladen hatte.

Die drei Hilfswerke hatten eine Studie zum Thema Sozialberatung in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse der Studie stellte Prof. Dr. Carlo Knöpfel von der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) im gleichen Rahmen vor. Schon heute, so Carlo Knöpfel, sind die Hilfswerke aus der Armutsbekämfung nicht mehr wegzudenken.

Die Heilsarmee kennt diese Situation und bestätigt: Die öffentliche Sozialhilfe steht unter Spardruck. Den Preis zahlen die Hilfesuchenden, denn Zeit für Begleitung ist knapp. In diese Lücke treten private Hilfswerke wie die Heilsarmee, Caritas oder das Schweizerische Rote Kreuz. Das Angebot der nicht-staatlichen Sozialhilfe nimmt oft eine Brückenrolle ein, vermittelt zwischen Klienten und öffentlicher Sozialhilfe und ist ein wesentlicher Bestandteil im Prozess der Hilfeleistung.

Sowohl finanziell wie auch fachlich ergänzt und überkreuzt sich das Angebot der staatlichen und privaten Ansprechpartner. Die Situation ist unübersichtlich. Die betroffenen Organisationen müssen ihre Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortungsbereiche besser koordinieren. Die Heilsarmee fordert darum alle Beteiligten zu einem Dialog über die Rollenverteilung zwischen staatlichen Stellen und privaten Sozialberatungstellen auf.

Zur Sozialberatung der Heilsarmee

In der Schweiz betreibt die Heilsarmee 10 Sozialberatungsstellen. Ihre 56 Kirchgemeinden (Korps) haben ebenfalls einen sozialdiakonischen Auftrag. Hier klopfen täglich Menschen in Not an. Die Heilsarmee, so Daniel Röthlisberger, biete Menschen in Not ein niederschwelliges, professionelles Beratungs- und Hilfsangebot.

Zur Studie

Im Rahmen der Studie haben die Forschenden unter anderem Mitarbeitende der auftraggebenden Hilfswerke befragt sowie 10 kurze Fallstudien und sieben Interviews mit Expertinnen und Experten geführt.

Von Armut sind in der Schweiz zurzeit rund eine Million Menschen betroffen oder bedroht, darunter sind rund 120'000 so genannte Working Poor. Das sind Personen, die zwar erwerbstätig sind, aber nicht genug verdienen, um ihren Unterhalt zu bestreiten. Zur grössten Risikogruppe für Armut gehören alleinerziehende Personen. In den letzten zehn Jahren sind die Fallzahlen bei den privaten Hilfswerken gestiegen. Als Gründe geben die Betroffenen an, dass sie dort schneller Zugang zu Hilfeleistungen erhalten, persönlicher und länger beraten sowie begleitet werden und auch, dass die privaten Hilfswerke sie vermehrt auf ihre Ansprüche und Rechte auf Sozialhilfeleistungen hinweisen.

Die Situation spitzt sich weiter zu: Die Experten sagen im Rahmen der Interviews einen grösseren Spardruck der öffentlichen Sozialhilfe voraus. Dabei reichen schon heute die Gelder oft nicht aus. Ein Beispiel: Auf dem aktuellen Immobilienmarkt ist es fast unmöglich, Wohnraum für die vom Amt übernommene Miete zu finden.

Mehr zur Studie "Hlfswerke und öffentliche Sozialhilfe: von der Komplementarität zur Subsidiarität?" erfahren Sie hier.

Author: Heilsarmee