Fr

06

Jan

2012

„Die Stossrichtung ist klar“

Bis zu 80 Personen finden ab heute in der Asylunterkunft Hochfeld in Bern Zuflucht. Alles ist bereit für ihren Einzug. Doch der Auftrag für die Führung der Einrichtung kam kurzfristig einer privaten Firma zu und nicht, wie gedacht, der Heilsarmee Flüchtlingshilfe.

Die Heilsarmee-Flüchtlingshilfe feiert dieses Jahr ihr 30jähriges Bestehen, eine Erfolgsgeschichte. Sie hatte bereits vor drei Jahren die Einrichtung in der Zivilschutzanlage im Hochfeld zuverlässig betrieben. Doch der Kanton entschied, die Leitung der Asylunterkunft an eine Firma zu geben, die bereits mehrere Asylzentren des Bundes führt.

 

„Das ist erstaunlich“, erklärt Paul Mori, Leiter der Heilsarmee-Flüchtlingshilfe, „denn wir haben mit den Verantwortlichen vom Kanton vorher viele Stunden zusammen gesessen und darüber gesprochen.“ Seit November rechnete die Organisation fest mit dem Auftrag und hatte Personal, die nötigen Gelder und die Einrichtung vorbereitet.

 

„Die offizielle Begründung lautet, die Heilsarmee hätte nicht schnell genug anfangen können“, erklärt Paul Mori. „Doch die Stossrichtung ist klar: man gibt die Leitung der Unterkünfte vermehrt in private Hände.“ Das birgt auch Risiken: Eine Asylunterkunft könne man nicht so führen wie eine Firma. Paul Mori bedauert, dass ein solches Projekt gewinnorientiert und hauptsächlich kostensparend geführt wird. Das Prinzip der Heilsarmee dagegen sei, jedem Mensch seine Würde zu erhalten. Wenn jemand Asyl sucht, sei er laut Mori zunächst als Opfer des Systems zu betrachten.

 

Der nicht erteilte Auftrag bedrohe nicht die Existenz seiner Abteilung, so Paul Mori, aber die Tendenz, private Firmen den Hilfswerken vorzuziehen, sehe er wohl: „Bei der Heilsarmee-Flüchtlingshilfe sind bis zu 220 Personen davon betroffen.“

 

 

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