Di
13
Dez
2011
Generalin Linda Bond, internationale Leiterin der Heilsarmee / Foto: Patrick Lüthy
Wie relevant ist die Weihnachtsgeschichte für das 21. Jahrhundert? Weihnachten wird jedes Jahr mit Liedern, Bäumen, Glanz, Lichtern und Geschenken gefeiert, aber hat das Kommen Jesu in die Welt noch irgendeine Bedeutung für eine Zeit wie diese? Immerhin sind seither mehr als 2000 Jahre vergangen.
Wo sind die Anknüpfungspunkte? Die Antwort wird deutlich, wenn wir zwei Gruppen betrachten, die beim ersten Weihnachten eine zentrale Rolle spielten – die Weisen und die Hirten. Die beiden Gruppen wurden oft einander gegenübergestellt und dabei wurden die Unterschiede im Beruf, im religiösen Hintergrund und im Bildungsstand betont. Doch vielleicht hat das, was sie miteinander verbindet, auch mit uns heute zu tun.
Beide Gruppen waren nachdenkliche Männer. Die Weisen studierten den Himmel und suchten nach Zeichen. Die Hirten dachten während der langen Abendstunden an ihr besetztes Heimatland und fragten sich, wann der verheißene Messias kommen würde. Sicher erwarteten sie, dass etwas geschehen würde, geschehen musste, um Frieden in die Welt zu bringen. Ließ ein solches Nachdenken Hoffnung aufkommen? Ich denke, ja.
Beide Gruppen erlebten ein göttliches Eingreifen – eine Offenbarung. Die Hirten wurden von himmlischen Heerscharen besucht, die die Geburt des Retters der Welt verkündigten. Die Weisen sahen einen Stern, der sie schließlich zum Christuskind führte. Diese beiden Gruppen aus sehr unterschiedlichen Männern reagierten auf die übernatürlichen Ereignisse und bewegten sich aus ihren Komfortzonen heraus. Sowohl die Hirten als auch die Weisen nahmen die göttlichen Zeichen ernst. Ein Akt des Glaubens war erforderlich und sie wagten ihn.
Gott enttäuscht nie. Beide Gruppen erfuhren, dass Gott seine Verheißung erfüllt hatte. Der Erlöser und König war geboren. Und ob sie an der Krippe knieten oder dem Kind Geschenke machten, Hirten und Weise sahen alle das Gesicht Gottes, das Gesicht der Liebe in Jesus, dem Retter der Welt!
Dieses vergangene Jahr war eine Zeit beispielloser Naturkatastrophen, wirtschaftlicher Schwierigkeiten und politischer Umbrüche. Wenn wir in einer Zeit wie dieser über die Welt und vielleicht auch über unsere eigenen Bedürfnisse nachdenken, haben wir womöglich Grund zu verzweifeln. Doch an Weihnachten geht es um Hoffnung, wie auch schon vor zweitausend Jahren. Jesus kam nicht nur, er lebte und starb für die Welt. Und er lebt auch heute! Das gibt uns Hoffnung.
Vielleicht sehen wir an diesem Weihnachtsfest keine Engelscharen und auch keinen leitenden Stern, doch Gott wird jedem von uns auf eine erkennbare Art begegnen, so wie er den Hirten und den Weisen begegnet ist. Wir können beschließen, darin nur die alljährliche Weihnachtsstimmung zu sehen, doch Gott gibt sich uns zu erkennen. Wie wir darauf reagieren, ist eine Frage des Glaubens, ob wir sozusagen von unserer Nachtwache in den Feldern aufstehen oder dem Stern folgen. Und wenn wir unsere Komfortzone verlassen, um den Gott zu suchen, der uns sucht, werden wir entdecken, dass er real ist, genau wie die Hirten und die Weisen das erfahren haben.
Er ist Liebe. Wir sind geliebt. Der Erlöser der Welt kam vor vielen Jahren auf die Erde, doch er kommt auch heute zu uns, zu Ihnen und zu mir.
Generalin Linda Bond
Internationale Leiterin der Heilsarmee